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Bleiben Sie dran!Klaus Berger entlarvt den Kulturbetrrieb mit seinen Schicki-Micki-Protagonisten. Der Jazzkritiker hat ein amüsantes Buch über das Showbusiness geschrieben.
Statt Zugabe wird lieber Skat gespielt.

(Tangstedt, ?.5.99, kn) Da erscheint ein junger Mann auf der Bühne und macht sich am Klavier zu schaffen: Endlos lange schlägt er einzelne Töne an, manipuliert an den Seiten herum - 600 Zuhörer sind, zum Teil, hingerissen. Die Kritiker zumeist ebenfalls: „Da spürt man einen Hauch davon, was Free Jazz sein kann“, schreibt der Kritiker. „Atonal, free und kompromißlos“ ein anderer. Allerdings: Das eigentliche Konzert war leider ausgefallen, der bewunderte Künstler war lediglich der Klavierstimmer, der wiederum darüber verstimmt war, daß er seine Arbeit vor ausverkauftem Hause verrichten mußte. Keiner hat´s gemerkt. Geschichte dieser Art entlarven den Kulturbetrieb mit seinen Schicki-Micki-Protagonisten. Klaus Berger aus Tangstedt denkt sie sich seit über zwei Jahrzehnten aus und veröffentlicht sie in Zeitschriften. Jetzt hat der Jazzmusiker sie zu einem Buch zusammengefaßt: „Bleiben Sie dran! Medien-Rummel und andere Heimsuchungen“ heißt das Werk, bei dem einem das Lachen manchmal im Halse stecken bleibt.

Klaus Berger ist ein mit allen Wassern gewaschener Musiker: Vor 34 Jahren gründete der Pianist die Gruppe „Bop Cats“, mit der er bis heute unermüdlich durch Deutschland und die angrenzenden Länder tourt. Ob in Schulen ein Trip durch die Jazzgeschichte gemacht wird oder in Konzertsälen vor großem Publikum gespielt wird, Klaus Bergers Band hat einen guten Namen. Als Jazzkritiker und Journalist hat sich der 59jährige Tangstedter ebenfalls in die Herzen der Musikerfreunde geschrieben. Nicht in alle, wohlgemerkt. Denn oftmals sind die Kritiken bissig, rotzfrech, ironisch - aber fast immer treffen sie den Kern: Hier schreibt einer, der wirklich etwas von seinem Fach versteht.

Vor etwa 20 Jahren begann Klaus Berger den Musikbetrieb auch von einer etwas anderen Warte aus zu sehen: Er verdichtete eigene Erfahrungen zu netten kleinen Geschichten, in denen das Musikerleben auf ironische Weise beleuchtet wird. In vielen Zeitungen und Zeitschriften, aber auch im Hörfunk sind die Glossen, Features und Kurzgeschichten erschienen. Viele bereits veröffentlichte und einige neue Geschichten wurden jetzt vom Köller Verlag zu einem rundherum amüsanten Buch zusammengefaßt.

Da Klaus Berger aber kein Buch für Insider vorlegen wollte, ist es gespickt mit Alltagsbeobachtungen, die nicht immer etwas mit Musik, oft aber mit Medien und dem dazugehörigen Rummel zu tun haben. Da wird die Serienwut der Fernsehgewaltigen auf die Schippe genommen. Ein gewisser Moderator namens Dieter Thomas Heckklappe macht sich dafür stark, daß bei der nächsten Runde von „Journalisten fragen - Politiker antworten“ Roberto Blanco, Blümchen und Harald Juhnke die Fragen stellen sollen, der Synchronsprecher Ornaldi weiß nicht mehr, wie der den Satz „Bestehen noch Chancen, Doktor“ in Zukunft betonen soll, weil er ihn in 16 verschiedenen Serien bereits 128mal gesprochen hat, und gegen „Miami Vice“ will der Konkurrenzsender die Serie „Strandvogt von Borkum“ setzen - mit Volker Rühe in der Hauptrolle. Der Starkritiker Zynistrata wird auch zitiert: Er will keine Freikarte für die erste Reihe, weil er zu keinem Künstler aufblickt. Pech gehabt: Er muß die Hauptband des Festivals, „Dusty Stringfield“ mit Holzbaß, E-Baß und zwei Bratschen, von weit hinten verfolgen. Und wie begrüßen sich doch gleich die Mitglieder konkurrierender Bands? „Ich wußte gar nicht, daß ihr noch existiert.“ Berufsmusiker, stellte Klaus Berger fest, spielen statt einer zweiten Zugabe lieber Skat. Wer es noch nicht wußte: Ein Wirbel ist der Kunstgriff eines Drummers, um schwache Stellen im Musikstück zu überdecken. Die Steigerung ist der große Wirbel, den eine Band um ihre erste Platte macht.

Eine Fülle von Schnurren, Sprüchen, Gags, lustigen Anekdoten und eine kleine Auswahl besonders gelungener Konzertkritiken hat Klaus Berger zusammengestellt und in seinem Buch veröffentlicht. Der Leser ist amüsiert und biegt sich bisweilen vor Lachen - und das gilt nicht nur für Musikkenner.

ISBN 13: 978-3-928143-48-6

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